Ausgangslage

Ein Kantonsspital engagiert einen IoT Berater, der auf folgende Aufgabestellungen mit Hilfe einer neuen Digitalisierungsstrategie unterstützen kann:

  • Auf den Stationen und im Operationssaal besteht immer wieder eine Verwechslungsgefahr, trotz Checklisten, die händisch ausgefüllt werden.
  • Wir wissen nicht wo die Patienten gerade sind. So haben wir Raucher, Patienten die im Kaffee sind, Nachtwandler, solche die im falschen Zimmer sind oder verlegt wurden etc. Wir verlieren viel Zeit, da teilweise Physio-Termine etc. verpasst werden.
  • Die möglichen z.B. allergischen Komplikationsrisiken müssen immer wieder über mehrere Seiten in der Patientenakte nachgelesen werden.

Der Berater konnte bereits mehrere Spitäler mit ähnlichen Aufgabestellungen beraten. Er zeigt für jede Aufgabestellung ein Referenzprojekt auf. Die Spitalleitung ist sich sicher, den richtigen Partner gewählt zu haben. Dies insbesondere, da der Projektumfang besser abgeschätzt werden kann, die Referenzen auch besucht werden konnten und die Mitarbeiter immer auch auf die Referenzen zurückgreifen können.

Projektziele

Vor dem Projektbeginn, werden im aglilen Projektvorgehen sogenannte Epics definiert. Der jeweilige Status jedes einzelnen Epics sollte von den Mitarbeitern im Intranet nachverfolgt werden können. Zusätzlich konnte durch diesen Detaillisierungsgrad auch ein Kostendach fixiert werden. Die Epics sind wie folgt:

  1. Die Patientenkarten, Versicherungskarten werden elektronisch eingelesen.
  2. Der Patient bekommt ein RFID Armband, wo seine Identifikation sicherstellt.
  3. Dadurch können nach Einwilligung die Patientenbewegungen auch getrackt werden. Die Patienten werden zudem mit dem Armband 15 Minuten vor Therapiebeginn usw. mit einem sanften Fibrieren daran errinnert.
  4. Jeder Arzt und jede Schwester bekommt bei Schichtbeginn einen IPad. Bei jedem Patienten muss der Arzt oder die Schwester über das Armband des Patienten gleiten. Dadurch werden die für die Behandlung nötigen Patientendaten im IPad angezeigt.
  5. Eine spezielles Datamining-Tool schlägt anhand den Symptomen, dem zu behandelnden Arzt mögliche Krankheitsbilder auf, damit auch der Arzt seine Meinung bestätigt bekommt. Es werden die zu behandelnden wichtigsten Schritte vorgeschlagen, die dann auch der Abrechnung zur Verfügung stehen.
  6. Kostengutsprachen können bei den 5 grössten Krankenversicherungen, wenn nötig nach Grund- und Zusatzversicherung gesplittet automatisch elektronisch angefordert werden.
  7. Der aktuelle Status der Kostengutsprache wird dem leitenden Arzt angezeigt.
  8. Zusatzleistungen wie Zimmerupdate können mit Unterschrift des Patienten im Patientendossier abgelegt und mit der Abrechnung verlinkt werden.
  9. Die Menüauswahl wird dem Küchenchef „Realtime“ übermittelt. Die Essenszeit wird mit Hilfe der Kalendereinträge vorgeschlagen. Es werden nur die Menüs angezeigt, die für den Patienten vorgesehen sind.
  10. Infrastrukturen sollen ebenfalls verwaltet und getrackt werden können. In der Projektphase werden angezeigt, welche Betten frei und welche belegt sind und wo diese stehen. In einer zweiten Phase sollen auch die Wäsche-Artikel mit einem RFID Chip getaggt werden um den Standort, die Waschvorgänge und auch Kontaminierungsgefahren anzeigen zu können. Diese Tags müssen Gammastrahlen resistent sein, da diese vor der Operation bestrahlt werden.
  11. Röntgenbilder, MRI-Daten, Laborwerte etc. müssen mit der Patientenakte verlinkt werden.

Projektvorgehen

  • Da die Epics voneinander unabhängig bearbeitet werden können, wird pro Epic ein Projektteam eingesetzt.
  • Innerhalb von 3 Monaten wurden total 900 User Stories geschrieben und bereits 3 % der Stories umgesetzt.
  • Eine der User Stories wurde wie folgt beschrieben „Ich als Datenschutzbeauftragter möchte gerne, dass alle Daten nach Beendigung der Konsultation, spätestens nach Verlassen des Patienten auf dem IPad gelöscht werden. Damit kann sichergestellt werden, dass die Daten nicht z.B. von anderen Patienten gesehen werden…. “
  • Die User Stories die gross vom Referenzprojekt abweichen, werden gemeinsam mit dem jeweiligen Referenzspital besprochen, um sicher zu gehen, dass die Anforderungen/Abweichungen gerechtfertigt sind.
  • Gemeinsam mit den Referenzspitälern werden die detaillierten Produkteentscheide von damals nochmals hinterfragt, um auch sicher zu gehen, dass zwischenzeitlich auch keine weiteren Anbieter angesehen werden müssen.
  • Die Spitalleitung hat auch von Anfang an als Rahmenbedingung festgelegt, dass die Mitarbeiter immer in die Projektphasen einbezogen werden müssen, um die Akzeptanz von Anfang an hoch halten zu können.
  • Die Projektleitung hat entschieden, die Epics sequentiell einzuführen, um das Tagesgeschäft sicherstellen zu können bzw. erste Erfahrungen betreffend Performance usw. in reeller Umgebung testen zu können. Da jedes Spital unterschiedlich konstruiert wurde, ist nicht ganz sicher, ob das WiFi Signal über die armierten Mauern stabil bleibt.

Erfolgskontrolle und lessons learned

Jedes Epic wurde erfolgreich eingeführt. Die Akzeptanz war von Anfang an sehr hoch. Die Mitarbeiter mussten sich jedoch stark umgewöhnen, jede geplante und auch durchgeführte Aktivität hinter dem Patienten zu hinterlegen. Mehrkosten holten das Projekt trotz guter Planung ein. Dies da das Klinikinformationssystem (KIS) ausgetauscht werden musste, weil der Anbieter die Weiterentwicklung nicht sicherstellen konnte.

Die zweite Projektphase wurde verschoben, da noch entschieden wird, ob die Wäscherei ausgelagert wird.

„Wir sind effizienter, da wir Leerläufe vermindern können. Aber der wichtigste Faktor ist, wir konnten die Qualität enorm verbessern. Nach der letzten Umfrage bewerten die Patienten sowie die Mitarbeiter die Veränderung als sehr positiv. Das Pflegepersonal meinte einstimmig, dass sie mehr Zeit für das Wesentliche aufwänden können – für den Patienten. Die Patientenumfrage ergab, dass sie das Gefühl haben, dass neu der Pfleger mehr auf die Patienten eingehen kann, da die Informationsübergabe bei der Schichtübergabe verbessert werden konnte. Genaue Zahlen haben wir noch nicht, aber haben den ROI vermutlich nach den geplanten 3 Jahren erreicht. “, so die Spitalleitung.

Weiteres Vorgehen

Die Spitalleitung hat für das nächste Jahr gemeinsam mit einer Universität eine Studie geplant um nachzuforschen, ob Sprachsteuersysteme wie Siri oder Amazon Alexa im Spitalalltag eingesetzt werden können.

  • Dadurch könnten hygienische Risiken besser bewältigt werden.
  • Auch können weitere Szenarien abgedeckt werden. So zum Beispiel TV Sprach-Steuerung für Patienten die zum Beispiel vergipst sind.
  • Einfachere Notfallmeldung, falls Patienten nicht den Not-Knopf betätigen können.
  • Wegfall von Telefonapparate (Device mit Headphone Anschluss). Es können einfach Telefonkonferenzen mit z.B. Spezialisten oder Hausärzten durchgeführt werden und Kosten können eingespart werden.
  • Übersetzungsprogramme könnten einfach integriert werden um zwischen Arzt, Pflegepersonal und Patienten die Kommunikation erleichtern zu können.
  • Die Sprachsteuersysteme nehmen bei der Sprechstunde die gesprochenen Inhalte auf, damit der Arzt keine Notizen machen muss. Die Keywörter, Abkürzungen etc. werden mit verschiedenen Datenquellen wie zum Beispiel dem Compendium abgeglichen. Die Berichte werden ebenfalls im Patientendossier abgelegt.
  • Auch soll geprüft werden, ob der Unterhaltungswert für den Patienten erhöht werden könnte, wenn die Patienten zum Beispiel Wikipedia Einträge vorgelesen bekämen.

Das Spital stellt sich als „Forschungsobjekt“ zur Verfügung. Forschungsgelder wurden bereits zugesagt.

Die Moral an der Geschicht, dieses Projekt gibt es so nicht.

Es soll aufzeigen, wie einfach es ist und helfen, auf diesem Case Ideen zu finden, anstelle uns zu winden.

Es gibt sicherlich Firmen die kommen und gehen, das konnten viele sehen.

Aber warte nicht ab, denn eines Tages wird vermutlich ein Schnellerer, Günstigerer kommen und alles ist zerronnen.

Sei daher auf der Hut und denke voraus, wie ein Pfau und nicht wie der Vogel Strauss.

Tesla, Google, Uber, BitCoin etc. zeigen, wie schnell wir die Köpfe neigen.

Passieren kann es jederzeit, daher sei für die digitale Zukunft bereit.

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